Yellow mellow tunes on my side
Berlin erhellte mein Herz. Ich vermag kaum darüber zu berichten ohne wehmütig meine Gedankenstränge in vergangenen Erlebnissen zu verlieren.
Der seit gestern Abend live (und mit tiefster Reue über zwischenzeitliche Zweifel) von mir als bester Sänger der ganzen Welt festgesetzt wordene Jason Mraz spielte im Cafe Dachkammer in Berlin. An zwei Abenden erhob sich seine göttliche Stimme über eine kleine Hand voll Leuten verschiedenster Nationalitäten, die den familiären Abend aus tiefstem Herzen genossen. Jason sprühte vor Charm und Wortwitz und nahm sich Zeit für die Anwesenden, die in diesem Fall wesentlich mehr waren als nur Fans oder Zuhörer - jeder war wesentlicher Bestandteil der Energie, die sich in diesem kleinen Gewölbe entwickelte.
Mir kam das alles so unreal vor und trotzdem so normal. Seit vier Jahren kennt kaum jemand, der mir über den Weg läuft den Mann für den mir keine smarten Wortkombinationen einfallen und seit eben diesem Zeitpunkt versuche ich das zu ändern. Und dann steht er gestern einfach 5 Meter vor mir und singt so perfekt, als würde er die Musik atmen. Ob er flüstert oder aus vollste Kehle schreit, ob er tiefe Töne singt oder sich in die Höhen der Tonleiter schraubt, ob er redet oder rappt, flüstert oder pfeift - alles ist hell und rein und strotzt von einer Hingabe wie ich sie bei keinem anderen Menschen je gesehen habe.
Und während ich mich dank Jasons Improvisationstalent und unermüdsamem Charme (man muss sagen, er hat 2,5 Stunden gespielt und versucht jeden Musikwunsch zu erfüllen) größtenteils hervorragend amüsiert habe, kam ich mir doch insgesamt ziemlich klein vor. Klein und nichtig und unausgefüllt, gegenüber diesem Menschen da vorne auf der Bühne, der so viel Leidenschaft für die Musik und die Menschen im Raum hatte - während ich ein paar Texte vor mir hersang und nach links und rechts tänzelte. Ich erinnere mich an die Zeit zurück, als ich alleine auf meinem Zimmer saß und es mich vor Glücksgefühl fast zerrissen hatte, wenn Jasons klare Stimme unter meine Haut fuhr. Wenn er mir Kraft gab. Vielleicht bin ich zu objektiv und realistisch geworden, vielleicht zu abgeklärt um meine Träume von ihm beflügeln zu lassen. Vielleicht werde ich nie so fühlen wie das Pärchen, das so unglaublich verliebt am Bühnenrand tanzte, dass es aussah als ob Jason nur für sie allein spielen würde (was er teilweise auch wirklich tat). Oh ja, Hingabe müsste man mal wieder verspüren können, und endlich mal loslassen von all dem Stress mit WG-Suche, Praktikums-Vorbereitung, Zeitmanagement und Geldproblemen.
Doch gegen Ende eines Jason Mraz Konzerts... wenn man fast ehrfürchtigt den Tönen lauscht, die unglaublicherweise aus dem Munde dieses verträumt lebensfreudigen Menschen kommen. Dann ist man doch ein wenig gerührt, und froh dabei gewesen sein zu dürfen - und irgendwie doch ein bisschen glücklicher als zuvor...
Labels: Jason Mraz Berlin


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